Viele Jahre und einige Auslandsaufenthalte (Frankreich, England und Russland) später beschloss ich, nach England zu ziehen. Ich schrieb meine Diplomarbeit und begann, mich nach Jobs in der Sozialarbeit umzusehen. Da ich vorbereitet sein wollte, suchte ich nach einschlägigen Wörterbüchern. Der Engländer würde jetzt sagen, „It was slim pickings“ – mit wenig Erfolg! Damals – 2005/ 2006 – gab es so gut wie nichts in dem Bereich. Ich fand ein schmales Wörterbuch für Pädagogik, das jedoch so dünn war, dass ich vieles, was ich suchte, nicht fand. Ich war besser dran mit einem Standardwörterbuch.
Damals träumte ich davon, selbst einen Sprachführer zu schreiben. Ich stand in den Startlöchern meiner beruflichen Laufbahn und bemühte mich, mit meinen KlientInnen zu kommunizieren. Es gelang mir gut, doch was mir fehlte, waren Feinheiten. Die Palette von formell-gehoben und Standard-Englisch bis hin zu alltagstauglich und umgangssprachlich – sie lag irgendwie bunt und ungeordnet vor mir. Ich wollte mehr: Ich wollte den richtigen Ton treffen und Virtuosin sein, die sprachlichen Möglichkeiten vor mir sehen und elegant darauf zugreifen können. Sprachbeherrschung als eine Form von Freiheit!
Damals war ich noch unerfahren und brauchte mehr Expertise. So arbeitete ich die darauffolgenden Jahre – zunächst als Sozialarbeiterin im Jugendamt, dann selbstständig in meiner eigenen Firma: Ich begleitete Familien und Kinder mit Förderbedarfen und verfasste Gerichtsgutachten im Kinderschutz - bei Scheidungs- und Pflegschaftsverfahren. Ich führte zahllose Gespräche über die Jahre: mit Eltern, Kindern, SozialarbeiterInnen, LehrerInnen, PolizistInnen, DrogenberaterInnen, PsychotherapeutInnen, HeimerzieherInnen, AnwältInnen, MediatorInnen und anderen Fachleuten.
Ich nahm an Hilfekonferenzen teil und moderierte sie später. Meine Arbeit präsentierte ich – zum Teil in Kreuzverhören - vor Gericht. Ich hörte den Menschen zu. Wie formulieren sie Fragen? Wie äußern sie Bedenken, Zweifel und Sorgen?
Wie beschreiben sie Entwicklungen und Veränderungen?
Wie wird nach Zielen gefragt? Und: Wie drücken sie Anerkennung aus? Dann die schwierigen Fragen, die, bei denen es auf die richtigen Präpositionen ankommt, damit der Satz überhaupt Sinn ergibt, wie zum Beispiel bei Vergleichen und Skalierungsfragen.